
Die Weiperter Drehscheibe
Abriss eines Stücks Eisenbahngeschichte — 1926 errichtet, 2018 verschrottet
- Eingebaut
- 1926
- Länge
- 19,5 m
- Antrieb
- Elektromotor
- Abgerissen
- Februar 2018
ast achtzig Jahre lang stand sie im Dienst der Lokomotiven — die Drehscheibe am Bahnhof Weipert. Als die Stadt Weipert am 5. Februar 2018 die Nachricht erreichte, dass die Anlage der Verschrottung anheimfiel, brach für viele Weiperter und Eisenbahnfreunde ein kleines Stück Geschichte weg. Uwe Schulze, Vorsitzender des Vereins „Denkmalpflege Weipert e.V.", schrieb damals: „Als alte Weiperter und Heimatfreunde müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt Weipert wieder ein kleines Wahrzeichen und Industriedenkmal verliert."

5. Februar 2018 — Beginn der Verschrottung. Foto: Uwe Schulze
Warum 19,5 Meter?
Schwerere Lokomotiven, längere Scheiben
Mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen der Bahn um die 1920er Jahre wurden nicht nur die Zugkräfte, sondern auch die Lokomotiven selbst schwerer und länger. Bahnbetriebswerke mussten aufgerüstet werden — und Lokomotiven, die am Ende ihrer Strecke gewendet werden mussten, brauchten immer längere Drehscheiben.
In Weipert entstanden daher 1926 eine neue „Lokomotivstation" mit einer Drehscheibe von 19,5 Metern Länge. Sie ersetzte die alten Scheiben von 12,0 m und 14,0 m, die für die schweren Baureihen 50 und 52 schlicht zu kurz geworden waren. Das benachbarte Bahnbetriebswerk Buchholz, nur 17 km entfernt, verfügte selbst lediglich über eine 16-Meter-Scheibe — und war damit auf die Weiperter Anlage angewiesen, sobald größere Maschinen gewendet werden mussten.
Um 1935, im Zuge des Elektrifizierungsprogramms der Deutschen Reichsbahn, wurde die Drehscheibe mit einem Elektromotor ausgerüstet. Das beschwerliche Handdrehen der schweren Lokomotiven durch die Eisenbahner entfiel damit endgültig. Die Grube erhielt zudem eine vollständige Überdachung zum Schutz vor Schneeansammlungen — eine Besonderheit, die sich für das Erzgebirge als besonders wichtig erwies.

Bahnbetriebswerk Buchholz mit 86 1001 — nur 16-m-Scheibe, 13. Juni 1992

Mai 1997 — noch stehend. Foto: Sven Oettel
Stille nach dem Dampf
Von der ČSD zum Verfall
Nach dem Mai 1945 übernahm die Tschechisch-Slowakische Staatsbahn (ČSD) den gesamten Bahnhof Weipert. Die Drehscheibe — einst gemeinsam von Reichsbahn und tschechischen Bahnen genutzt — diente nun ausschließlich dem tschechischen Betrieb. Mit der Umstellung auf Diesel in den 1950er Jahren und dem Ende des planmäßigen Dampfbetriebs 1967 verlor die Anlage ihren Zweck.
Jahrzehntelang stand die Drehscheibe ungenutzt im Freien. Im Dezember 2005 nutzte Uwe Schulze die Anlage ein letztes Mal — er drehte eine Lokomotive eigens für Fotografiezwecke. Es sollte das letzte Mal sein. Im frühen Winter 2005/2006 brach das schützende Dach unter der Last des Schnees ein. Ohne seinen Schutz beschleunigte sich der Verfall der Drehscheibe rasant.
Volkmar Richter hatte die Anlage bereits 1993 fotografisch festgehalten; Sven Oettel folgte 1997 mit weiteren Aufnahmen. Diese Fotografien sind heute die einzigen Zeugnisse der Drehscheibe in ihrem verbliebenen Zustand.
Damals & Heute

1993 — Foto: Volkmar Richter

Februar 2018 — Beginn der Verschrottung
Zeittafel
1920er
Wachsender Verkehr erfordert schwerere Lokomotiven (Baureihe 50 und 52)
1926
Neue 19,5-m-Drehscheibe ersetzt die alten 12–14-m-Scheiben in Weipert
~1935
Elektrischer Antrieb im Zuge des Reichsbahn-Elektrifizierungsprogramms
1945
Übergabe des Bahnhofs an die tschechoslowakische Staatsbahn ČSD
1967
Ende des planmäßigen Dampfbetriebs — Drehscheibe außer regelmäßigem Dienst
2005/06
Letzter Betrieb durch Uwe Schulze; Schutzdach bricht unter Schneelast ein
2018
Abriss am 12. Februar; Radsätze und Zahnradsegmente als Denkmal gesichert
1920er
Wachsender Verkehr erfordert schwerere Lokomotiven (Baureihe 50 und 52)
1926
Neue 19,5-m-Drehscheibe ersetzt die alten 12–14-m-Scheiben in Weipert
~1935
Elektrischer Antrieb im Zuge des Reichsbahn-Elektrifizierungsprogramms
1945
Übergabe des Bahnhofs an die tschechoslowakische Staatsbahn ČSD
1967
Ende des planmäßigen Dampfbetriebs — Drehscheibe außer regelmäßigem Dienst
2005/06
Letzter Betrieb durch Uwe Schulze; Schutzdach bricht unter Schneelast ein
2018
Abriss am 12. Februar; Radsätze und Zahnradsegmente als Denkmal gesichert
12. Februar 2018 · 10:25 Uhr
Abtransport der Drehscheibe
Am Morgen des 5. Februar 2018 begann die Verschrottung. Mitglieder der „Denkmalpflege Weipert e.V." eilten zur Stelle und konnten in letzter Minute zwei Radsatzpaare sowie Segmente der Zahnradzahnung sichern — bevor das übrige Material dem Schrotthändler übergeben wurde.
Am 12. Februar 2018 um 10:25 Uhr wurde die Drehscheibe auf einem Tieflader abtransportiert. Bürgermeisterin Jitka Gavdunová und Jan Martásek unterstützten die Bemühungen des Vereins, aus den geretteten Teilen ein würdiges Denkmal zu gestalten — ein stilles Zeugnis für fast achtzig Jahre Eisenbahngeschichte am Grenzort Weipert.

Die letzten Tage der Drehscheibe, Februar 2018
Einst gehörte sie in den Bestand der Deutschen Reichsbahn und zählt somit zur vergangenen deutschen Geschichte der Stadt Weipert.
Uwe Schulze — Denkmalpflege Weipert e.V., Februar 2018
Bildmaterial
22 Aufnahmen


