
Brauer & Gutberlet
Kartonagen und Weihnachtsschmuck aus dem Pöhlbachtal
- Gegründet
- 1861
- Weipert ab
- 1906
- Beschäftigte
- ~250
- Standort
- Grundbezirk
ie Vorbereitung auf den letztjährigen Lichtabend in Amorbach und zwei wunderschöne Leihgaben unseres aus Neugeschrei stammenden Freundes Helmut Schmetz waren es, die uns inspirierten, etwas in der Industriegeschichte von Weipert zu stöbern. Helmut Schmetz stellte uns für den letzten Lichtabend dankenswerterweise zwei Papierkrippen zur Verfügung — eine davon aus der Papierfabrik Brauer & Gutberlet, die andere bei der Firma Kunze & Co. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren diese Weiperter Firmen, die beide ihren Ursprung in Annaberg/Buchholz hatten, sehr erfolgreich und weltbekannt. Unsere Recherchen führten uns zu Heinz-Schmidl Buchau, der ein 1900 Seiten starkes Buch über die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der papierverarbeitenden Industrie schrieb — „Aus Papier" ist die Hauptquelle dieser Seite.

Firmenrechnung Brauer & Gutberlet — Fabrik geprägter Papierwaren, Weipert
Die Metropole der Papp-Präge-Industrie
Annaberger Ursprünge
Annaberg-Buchholz wurde in den 1880er Jahren als die „Metropole der Papp-Präge-Industrie" bezeichnet. Gründer dieser Branche war Friedrich Oskar Brauer, der 1861 in Buchholz eine Handmanufaktur zur Herstellung von Sargverzierungen aus Pappe eröffnete. Als gelernter Buchbinder hatte Brauer ein Prägeverfahren entwickelt, mit dem die Fabrikation von Papp-Prägeartikeln erheblich erweitert werden konnte. Lampenschirme, Blumenkopfhüllen, Frühlingsboten, Kalenderrückwände und verschiedene Reklameartikeln konnten nun hergestellt werden.
Schon damals exportierte die Firma Brauer nach ganz Europa, Nord-Mittel- und Südamerika, bis nach Japan und Australien. 1891 wurde Brauer für seine Verdienste mit dem Titel „Königlich Sächsischer Kommerzienrat" ausgezeichnet. Auch wurden von ihm viele Stiftungen eingerichtet.
Im Jahr 1864 gründete der Kaufmann Heinrich Wilhelm Gutberlet ebenfalls in Buchholz das Unternehmen „Fabrikation geprägter Pappwaren, Gravieranstalt und Akzidenzdrucker". Sein Teilhaber Eli Uhlig übernahm bald die Pappproduktion und führte den Betrieb nach Gutberlets Tod im Jahre 1893 weiter.

Handgeprägte Papierkrippe — Sammlung Helmut Schmetz

Partie am Grenzbach — das Fabrikareal im Weiperter Grundbezirk
1906 · Ortsteil Grund
Die Fabrik am Pöhlbach
Im Jahr 1906 errichteten die beiden Unternehmer Oskar Brauer und Eli Uhlig im Weiperter Ortsteil Grund, direkt am Pöhlbach gelegen, die Firma „Brauer & Gutberlet". Mit rund 250 Mitarbeitern entstanden hier Reklameartikeln, Wandtaschen, Kalenderrückwände, Papp-Prägewaren, Postkartenmappen und Passepartouts.
Besonders bekannt wurden die Weihnachtserzeugnisse des Werks: aufwändige handgeprägte Krippen aus Kartonage, die weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus gefragt waren — eben auch jene, die Helmut Schmetz uns für den Lichtabend zur Verfügung stellen konnte. Auch die Firma Brauer & Gutberlet exportierte ihre Artikel weltweit.
Das Fabrikareal

Fabrikgelände mit Schlot — farbige Ansichtskarte

Blick in das Pöhlbachtal mit Fabrikschornstein
Zeittafel
1861
Friedrich Oskar Brauer gründet Manufaktur für Kartonagen-Sargdekorationen in Buchholz
1864
Heinrich Wilhelm Gutberlet gründet Fabrikation geprägter Pappwaren und Gravieranstalt in Buchholz
1891
Brauer erhält den Titel „Königlich Sächsischer Kommerzienrat“
1893
Tod Gutberlets — Teilhaber Eli Uhlig führt den Betrieb weiter
1906
Gründung von Brauer & Gutberlet im Weiperter Ortsteil Grund, rund 250 Mitarbeiter
1920er
Weltwirtschaftskrise und politische Wirren gefährden den Exportbetrieb
~1950
Abriss der Weiperter Fabrikgebäude — Grenzsperrgebiet; Buchholz wird Volkseigener Betrieb
~1960
Aufkommen des Kunststoffs — Herstellung von Papierartikeln wird endgültig eingestellt
1861
Friedrich Oskar Brauer gründet Manufaktur für Kartonagen-Sargdekorationen in Buchholz
1864
Heinrich Wilhelm Gutberlet gründet Fabrikation geprägter Pappwaren und Gravieranstalt in Buchholz
1891
Brauer erhält den Titel „Königlich Sächsischer Kommerzienrat“
1893
Tod Gutberlets — Teilhaber Eli Uhlig führt den Betrieb weiter
1906
Gründung von Brauer & Gutberlet im Weiperter Ortsteil Grund, rund 250 Mitarbeiter
1920er
Weltwirtschaftskrise und politische Wirren gefährden den Exportbetrieb
~1950
Abriss der Weiperter Fabrikgebäude — Grenzsperrgebiet; Buchholz wird Volkseigener Betrieb
~1960
Aufkommen des Kunststoffs — Herstellung von Papierartikeln wird endgültig eingestellt
Ende einer Ära
Grenzsperrgebiet und Kunststoffzeitalter
Die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren sowie die politischen Wirren der 30er Jahre trafen den exportorientierten Betrieb empfindlich. Wohl Anfang der 1950er Jahre wurden die Weiperter Firmengebäude abgerissen — der Standort im Grenzsperrgebiet war nicht mehr zu halten. Die Buchholzer Firmenstelle wurde 1953 als „Volkseigener Betrieb" weitergeführt.
Das endgültige Ende der gesamten Branche kam in den frühen 1960er Jahren: Der aufkommende Kunststoff verdrängte die Kartonage als Werkstoff und machte die aufwändige Handprägetechnik, an der Weipert und Buchholz so lange festgehalten hatten, wirtschaftlich obsolet. Eine hundertjährige Handwerkstradition verschwand innerhalb weniger Jahre.

Fabrikareal Brauer & Gutberlet — historische Aufnahme
Werbeartikel, Wandtaschen, Kalenderrücken und Krippenerzeugnisse — Weipert belieferte ganz Europa.
Brauer & Gutberlet · Weipert · Gegründet 1906
Bildmaterial
9 Aufnahmen

